Sind Overs überbewertet? Der Fluch der modernen Kapitäne

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Dhoni

Es gibt Fußball, wo jede Sekunde Verletzungszeit als Nachspielzeit nach 90 Minuten reguläre Spielzeit zählt und oft über das Ergebnis entscheidet. Es gibt die Formel 1, wo Rundenzeiten über drei oder vier Hundertstel aufgezeichnet werden, um einen Sieger zu bestimmen, und dann ist da Cricket, wo Kapitäne und Spieler Geldstrafen und Spielsperren erhalten, wenn sie einige Minuten für den geforderten Over benötigen, ungeachtet des Ergebnisses.

Es gibt Fußball, wo jede Sekunde Verletzungszeit als Nachspielzeit nach 90 Minuten reguläre Spielzeit zählt und oft über das Ergebnis entscheidet. Es gibt die Formel 1, wo Rundenzeiten über drei oder vier Hundertstel aufgezeichnet werden, um einen Sieger zu bestimmen, und dann ist da Cricket, wo Kapitäne und Spieler Geldstrafen und Spielsperren erhalten, wenn sie einige Minuten für den geforderten Over benötigen, ungeachtet des Ergebnisses.

Seit der ICC bei einer Konferenz in Hongkong im vergangenen Jahr eine Verschärfung der Regelungen zur so genannten „Overbegrenzung“ beschlossen hat, wurden bereits viele Spieler für Regelverstöße gerügt. Dhoni wurde für ein Länderspiel und ein ODI in Australien gesperrt und Misbah-ul-Haq wurde die gleiche Strafe angedroht, sollte er sich in den nächsten 12 Monaten nicht an die Regeln halten. Der Wettlauf gegen die Zeit und die drohenden Sperren hängen wie ein Damoklesschwert über den heutigen Kapitänen, wobei es die Asiaten besonders schwer haben.

Wir fragen uns ernstlich, was die höheren Mächte des Cricket bei dieser Konferenz besprochen haben und welche Katastrophe sie vorhersehen, wenn die Feldmannschaft fünfeinhalb Minuten länger braucht, um 50 Overs (oder 90 Overs in einem Länderspiel) zu absolvieren. Wir sehen ja ein, dass es im Cricket aus Gründen der Logistik, der Fernsehübertragbarkeit und nicht zuletzt aus Wettergründen eine Zeitbegrenzung geben muss. Aber wir finden es nicht richtig, einen Kapitän – der dafür zuständig ist, dass die Zeitbegrenzungen eingehalten werden – mit einer Sperre für das nächste Spiel zu bestrafen. Das ist die schlimmste Strafe für jeden Spieler in Hochform, denn sie nimmt ihm und seinen Fans die Freude am Spiel.

Wir möchten gerne noch weiter bohren, beispielsweise mit der Frage, ob man nicht auch die Schlagmannschaft bestrafen sollte, wenn sie Verzögerungen verursacht. Aber da auch diese bizarre Forderung bereits im Raum steht, präsentieren wir lieber ein paar nicht ganz ernst gemeinte Lösungsvorschläge.

Lieber Dhoni und lieber Misbah, wenn eure Mannschaft das nächste Mal mit drei Komma irgendwas Overs pro Stunde zu langsam ist, verkürzt doch einfach den Anlauf der Bowler. Lasst Zaheer Khan oder Wahab Riaz doch einfach nach nur zwei Schritten werfen. Stellt alle Auswechselspieler und wenn nötig noch ein paar Fans aus dem Publikum entlang der äußeren Begrenzungslinie auf, damit sie den Ball sofort zurückwerfen können wenn er dort landet. Und spart euch die Hechtsprünge, um den Ball vorher abzufangen. Sagt euren Fieldern einfach, sie sollen den Ball zurück schießen und weiter machen!

Und wenn ein Batsman den Gegner bittet, seine Schuhe zu schnüren? Dem Unsinn muss jetzt auch ein Ende gemacht werden. Wer weiß, vielleicht werden Schuhe mit Klettverschluss ja dann zum neuen Trend! Auch Besprechungen zu Spielstrategie oder Schadensbegrenzung könnten vermieden (und wertvolle Spielminuten gespart) werden, wenn der Kapitän und die Spieler sich mittels Zeichensprache und Pantomime verständigen würden. Das würde doch sicher mehr Schwung ins Spiel bringen, oder nicht, lieber ICC? Auch für Verletzungspausen und Ausrüstungswechsel müssen strengere Regeln her. (Die Ersatzläufer wurden ja tatsächlich bereits gestrichen!) Der Batsman hat weiterzuschlagen, selbst wenn ihm Gliedmaßen fehlen, seine Handschuhe müffeln, sein Schläger zerbrochen ist oder er vor Durst beinahe ohnmächtig wird. Das ist Sparta!

Aber Spaß beiseite: Wir hoffen, dass die unnötigen Zeitbegrenzungen uns nicht gerade die Momente nehmen, die dieses Spiel so besonders machen. Und dass einer der höheren Mächte des ICC das hier liest und beim nächsten Jahrestreffen zur Sprache bringt!

(Bild mit freundlicher Genehmigung: The Hindu)
 

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