Karinas Reise zur Weltmeisterschaft

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Kk

Ciao miteinander,

der Countdown hat begonnen! In weniger als einem Monat trete ich in Deutschland zum ersten Spiel meiner 4. WM an. Seit meinem letzten Eintrag war einiges los. Ich habe viel trainiert, in ein paar Spielen gespielt, war mit dem Team und privat auf Reisen und diese Erfahrung werde ich ganz sicher nie vergessen.

Jede Weltmeisterschaft fühlt sich anders für mich an und auch dieses Mal ist es so. Klar, ich bin jetzt ja auch älter und weiser :-), aber unser Aufenthalt hier in Italien wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Wie ich schon in meinem letzten Beitrag sagte: In einem Land zu leben, in dem eine solche Leidenschaft für das Spiel vorherrscht, bringt einen dazu, sich wieder ganz neu in den Sport zu verlieben.  Zuhause wird es mir erst einmal seltsam vorkommen, ein Restaurant oder einen öffentlichen Platz zu betreten und nicht sofort eine Gruppe von Menschen zu erblicken, die um einen Fernseher herum kauern und aufgeregt ein Spiel verfolgen.   Meine NHL-Kollegen und alle Fans der Vancouver Canucks mögen sich nur einmal die Aufregung vor Augen führen, die derzeit in Vancouver herrscht, da wir im Finale um den Stanley Cup stehen. Jedes Mal, wenn unser Roma-Team hier spielt oder ein Champions-League-Spiel ansteht, herrscht hier genau die gleiche Art von Aufregung.  Es gibt fast keinen Ort, an den diese Spiele nicht übertragen werden, und egal, welche Sprache du sprichst – die Liebe zum Spiel bedarf keiner Erklärung.

 Unsere 10 Urlaubstage nutzte ich dazu, einige umliegende Länder zu bereisen. Ich besuchte meine alte Schulfreundin Cristy in Paris. Ich war zuvor schon ein paarmal in Paris gewesen, aber diese Reise war mit Abstand die beste. Wenn man eine Stadt durch die Augen eines Einheimischen sehen kann, ist das Erlebnis viel authentischer. So speisten wir in Restaurants, die sich nicht auf dem Radar der Touristen befinden, sondern die von Einheimischen frequentiert werden. Wir machten ein Picknick beim Schloss Versailles, die Geschichtsinteressierten unter euch wissen, dass dies einst die Residenz der Könige war. Marie-Antoinette fand ich ganz besonders interessant. Es ist erstaunlich zu sehen, wie sie lebten, ebenso die Architektur und der Reichtum, die bis heute erhalten sind. Selbstverständlich nahm ich Cristy mit zum PUMA-Store in Paris und auf einem der kleinen iPads fanden wir doch tatsächlich meinen letzten Blogeintrag. Sofort machten wir ein Foto davon und von den Artikeln, die wir kauften.  Wir hatten auch eine Menge Spaß beim Schießen von Fotos vor dem Louvre, in dem die berühmte Mona Lisa und viele weitere namhafte Gemälde ausgestellt sind. Irgendwie zog unsere Idee, witzige Schnappschüsse zu machen, besondere Aufmerksamkeit auf sich ... Ich frage mich immer noch, warum. Einige Leute fanden es anscheinend seltsam, dass ich bei den Fotoaufnahmen herumsprang. Doch das Komische war, dass genau diese Leute dann selbst solche Action-Bilder schossen, kaum hatten wir ihnen den Rücken zugedreht. Darüber amüsierten wir uns köstlich.

Danach reiste ich für 2 Tage nach Lyon, um meine alte Teamkollegin von WPS LA Sol Camille Abily zu besuchen.  Ihre Eltern waren für einen Abend in der Stadt und ihre Mutter verwöhnte uns mit französischen Crêpes. Es war schön, Camille in ihrer häuslichen Umgebung zu beobachten und zu sehen, wie professionell ihr Verein ist. Herzlichen Glückwunsch übrigens an ihren Lyoner Klub, der gerade erst bei der Champions League 2:0 gegen ein starkes deutsches Team gewonnen hat.

Danach traf ich mich mit meiner Cousine Niki in Venedig, wo ich nie zuvor gewesen war. Mein Beruf bietet mir die Gelegenheit, die Welt zu bereisen und viele verschiedene Städte zu besuchen und ich muss ehrlich sagen: Venedig ist eine Stadt wie keine andere. Ihre Schönheit und ihr Charme machen sie einzigartig. Ich werde in den nächsten Wochen die Fotos auf meiner Website veröffentlichen, die Venedig jedoch kaum gerecht werden können, darum empfehle ich wärmstens einen Besuch der Stadt. Man bewegt sich entweder zu Fuß oder auf dem Wasser fort (entweder mit privaten Gondeln oder Wassertaxis) und wieder ist die Architektur erstaunlich.

Wir reisten nach Florenz, wo wir einen Kochkurs belegten und an einer Weinprobe in der Toskana mit ein paar von meinen Teamkolleginnen (Kaylyn Kyle, Carm Moscato und Emily Zurrer) teilnahmen, dann ging es zurück nach Rom. 

Es war schön, einmal aus dem Trainingsalltag auszubrechen. Manchmal vergessen die Leute, dass – ganz gleich, was ihre Beschäftigung ist und wie sehr sie sie lieben – ein Ausgleich zur Arbeit ebenso wichtig ist. Ich genieße jeden einzelnen Moment auf dem Fußballplatz, doch manchmal ist eine Pause (auch wenn es nur eine mentale Pause ist) wichtig für mich, um wachsam und frisch im Kopf zu bleiben. Wir befolgten jedoch auch während unserer kurzen Auszeit ein strenges Fitnessprogramm und an manchen Tagen stand ich um 530 Uhr morgens auf, um meinen Trainingsplan einzuhalten, weil wir für den Tag Aktivitäten geplant hatten. Ich bin kein Morgenmensch, aber um unser Ziel zu erreichen, müssen wir am Ball bleiben, egal welche Verlockungen sich uns bieten. Wieder zurück im Trainingslager hatten wir gleich ein paar Tage mit zwei aufeinanderfolgenden Trainingseinheiten. Durch die Pause fühlte ich mich aber so fit und erfrischt, dass das für mich kein großes Problem darstellte.  Die kurze Trainingsunterbrechung hatte sich also gelohnt!

Einige Tage später kam PUMA nach Italien, um Aufnahmen für die Dokumentation „My Day, My Life“ (Mein Tag, mein Leben) zu machen. Es handelt sich um eine Reihe von Aufnahmen von PUMA-Athletinnen aus verschiedenen Ländern bei ihrer Vorbereitung auf die WM. Marta, A-Rod, Alex Scott und ich haben das Glück, bei dieser unglaublichen Marke unter Vertrag zu stehen und an dieser Serie teilnehmen zu dürfen. Ich bin schon sehr auf das Ergebnis gespannt. Die Crew folgte mir und meinen Teamkolleginnen (und PUMA-Sportlerinnen) Desiree Scott, Kaylyn Kyle, Mary-Eve Nault, Robyn Gayle und Rhian Wilkinson an einem typischen Tag auf dem Platz und abseits davon.  Ich werde ein Video mit Aufnahmen posten, sobald ich herausgefunden habe, wie das funktioniert. Wir haben einige lustige Sachen vor dem Kolosseum, beim Trevi-Brunnen, im Vatikan und auf der Spanischen Treppe gemacht und uns natürlich beim Eis- und Pizzaessen filmen lassen. Ein Höhepunkt war unsere Fahrt zur Spanischen Treppe, bei der unser Wagen angehalten und aufgefordert wurde, einen Umweg zu nehmen. Natürlich fragten wir nach dem Warum und fanden heraus, dass Hillary Clinton, die gerade beim Shopping war, der Grund für diese Umleitung war.  Als wir das hörten, sprangen wir natürlich alle im James-Bond-Stil aus dem Wagen und hatten das Glück, einen Blick auf sie zu erhaschen, als sie die Straße entlangging. Die Sicherheitsvorkehrungen waren erstaunlich hoch angesichts der Tatsache, dass sie einfach nur ein paar Blocks zu Fuß ging. 

 Als Team bereiten wir uns mit großer Vorfreude auf das Eröffnungsspiel gegen Deutschland vor. Wir hatten zwei internationale Freundschaftsspiele gegen die Schweiz, eines hier in Rom und das andere in der schönen Stadt Zürich. Ich war vorher noch nicht in Zürich gewesen, aber es war schon immer eine der Städte, die ich unbedingt einmal kennenlernen wollte.  Es war sicherlich so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich zügelte meine Leidenschaft für Schokolade und aß nur einige Lindt-Pralinen nach dem Spiel.  Leider war unser Besuch sehr kurz, aber die Schweiz ist ein Land, in das ich eines Tages zum Urlaubmachen zurückkehren möchte.

Wie ich schon sagte, der Tag des ersten Spiels rückt näher und näher. Mein nächster Eintrag dreht sich ganz um die verschiedenen Emotionen, die mich zurzeit umtreiben. Wisst ihr, ich schätze mich wirklich glücklich, zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben genau hier sein zu dürfen. Ich liebe aufrichtig, was ich tue, und versuche, nichts als Selbstverständlichkeit hinzunehmen. Bis zum nächsten Mal ... und danke fürs Lesen.

 KK

 

Weitere Informationen rund um Karina und Bilder von ihren Reisen findet ihr auf ihrer Website: KarinaLeBlanc.com

Twitter: karinaleblanc

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