Das gehört zu einer Regatta

  • Amory Ross Medien-Crewmitglied
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Etappe 4, Tag 16 Blog-Eintrag von Amory

ORT: 100 Meilen westlich von Neukaledonien
GESCHWINDIGKEIT DES BOOTES: 14,6
WINDGESCHWINDIGKEIT: 14
BUGRICHTUNG: 181 Grad
SEGEL: Großsegel, Stagsegel, Hauptsegel
ENTFERNUNG ZUM ZIEL: 1200 MEILEN

Wir haben einen Riemen, den wir von einem Kombüseneingang zum anderen verbinden. Es ist ein Sicherheitstau: Wenn das Segeln gegen den Wind am schlimmsten ist und du auf der hohen Seite kochen musst, verlierst du wenigstens nicht den Halt und fällst leewärts. Das ist ein wirklich wichtiges Ausrüstungsstück, aber ich kann es eigentlich nicht leiden; normalerweise ist es mit vielen Unannehmlichkeiten verbunden. Es ist wie ein Status, wie ein Roter Code oder ein Defcon 4. Mit einem Sicherheitstau ist das Leben für eine gewisse Zeit erst mal richtig ätzend und dein Körper wird heute wehtun.

Zum Glück ist der Riemen erst seit vier Stunden an seinem Platz und vermutlich kann ich ihn jetzt wieder abnehmen. Die furchtbaren Aufwindbedingungen — eine Überraschung für uns alle — hören endlich auf, als uns die Nähe zu Neukaledonien hilft, mit den großen Wellen und der rauen See klarzukommen. Der „Lee-fekt“ der Insel (ja, ich gebe zu, das habe ich erfunden) beeinflusst auch unseren Wind, der sich ebenfalls sehr abgeschwächt hat.

Neukaledonien ist das letzte Festland auf unserer Karte, bis wir Neuseeland erreichen, und stellt sich als wertvoller Bezugspunkt heraus. Die Insel östlich zu umfahren hat sich nie als machbare Option erwiesen, also nutzten alle sechs Boote die nordwestliche Ecke als Zwischenstation und der Osten und der Westen wurden zum ersten Mal seit Wochen wieder vereint. Seit dem Ostchinesischen Meer haben wir kein anderes Boot mehr gesichtet, aber das könnte sich bald ändern. Telefónica und CAMPER sind aus ihrem Tief herausgekommen und es wird ein enges Rennen in Richtung Süden werden, vor allem wenn sich die Fahrt in Richtung Auckland wie erwartet verlangsamt. Komfortable Vorsprünge könnten verschwinden und es könnten etliche Überholmanöver und Parkvorgänge zu sehen sein.

Es wäre zu schade, wenn man den ganzen weiten Weg segelt und dann die harte Arbeit wegen einiger windstiller Tage in der Nähe des Ziels zunichte gemacht wird, aber das gehört zum Rennen, ob es nun um Bojen oder um die Welt geht — und wir bereiten uns alle darauf vor!

- Amory

Amory Ross

Medien-Crewmitglied

PUMA Ocean Racing, unterstützt durch BERG

„ Es ist, als ob man mit einem Bungee-Seil um die Taille herumläuft [in den Wellen]. Du machst drei Schritte nach vorne, das Boot fällt ab und machst zwei Schritte zurück.“ – Casey Smith
 

Segeln